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Kommentare und Untersuchungen zu Objekten in aktuellen Ausstellungen im Ruhrgebiet

Neupräsentation der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U

Otto Mueller

Zwei Akte unter Bäumen

Hinweise auf aktuelle Ausstellungen

Lynn Chadwick. Biester der Zeit

Lynn Chadwick, Beast Alerted, 1990, 30,5 x 35,5 x 78,5 cm, Edelstahl
Lynn Chadwick, The Orator, 1956, Bronze 56 x 43 x 17 cm

Noch bis zum  20. September 2020

im Lehmbruck Museum Duisburg

Auszüge aus dem Pressetext des Museums:
Mit rund 70 Plastiken, zahlreichen Zeichnungen und Grafiken bietet die Ausstellung im Lehmbruck Museum ein kunsthistorisches Panorama des Werks des Künstlers, der zu den innovativsten Bildhauern seiner Zeit in Großbritannien zählt. … Seine ausdrucksstarken Kreaturen verbildlichen die für diese Zeit prägende Mischung aus utopischer Fortschrittshoffnung und existentieller Angst aufgrund der traumatischen Kriegserfahrungen.

Statt „Biester der Zeit“ sollte man vielleicht genauer von „Objekte einer vergangenen Zukunft“ sprechen, denn viele der von Lynn Chadwick (2014 – 2003) erschaffenen Kreaturen könnten auch in Science-Fiction-Filmen der 70er Jahre auftauchen. Ältere Besucher erinnern diese Wesen vielleicht an Begegnungen, die sie den Reisen der Raumschiffe „Orion“ und „Enterprise“ verdanken. Allerdings ist gut erkennbar, dass die Mensch-Tier-Wesen ihren Körperbau einem ehemaligen technischen Zeichner verdanken, der zunächst – einem Klettergerüst nicht unähnlich – Eisenstangen miteinander verschweißt und die entstandenen Außenflächen mit einer Eisen-Gips-Mischung füllt. Einige der entstandenen Objekte werden auch noch als Bronzeskulpturen vermehrt. Seine Zeichnungen entstehen erst im Nachhinein. Zu sehen sind auch Flügelwesen, denen der ehemalige Pilot des 2. Weltkrieges die Hoffnung mitgibt, der Erde zu entfliehen.

Die Ausstellung, die sich durch mehrere Räume des Lehmbruck-Museums zieht und im hinteren Bereich mit den fantastischen Stoffarbeiten von Jiri Tichy konfrontiert wird, ordnet die Werke nach Themen: Biester, tanzende Figuren, Stranger, sitzende bzw. verhüllte Figuren und Moon. Auch werden die Anfänge der künstlerischen Entwicklung des Autodidakten Lynn Chadwick in einer besonderen Koje augenfällig: Neben einem Mobile (1952) , das an Arbeiten von Calder erinnert, entstehen auch Objekte mit einem stabilen Gerüst, an dem wieder ein Mobile hängt; es folgt in der Ausstellung eine Figur, an dem sich nur noch ein kleiner Kopfteil bewegen lässt („Bullfrog“ von 1951).

Lypiatt Park, 2014, Foto: Jonty Wilde

Viele seiner neueren, an Menschen erinnernden, großen Skulpturen aus glänzenden Metall, die im vorderen Glasraum des Museums aufgestellte werden, sind für den Park entworfen, der an das von Chadwick erworbene neogotische Schloss, westlich von London, angrenzt. Die Figuren sind dort so aufgestellt, dass sie die idealen Verweilplätze besetzen. Häufig berühren sich diese Doppelt-Figuren.

 

Die Aktualität der hybriden Objekte wird besonders spürbar, wenn er seine Wesen miteinander kommunizieren lässt: Anstelle von Köpfen sind häufig nur Quader vorzufinden, die an Monitore erinnern. Die „Monitors“, „Detectors“ und „Watchers“ könnten uns überwachende Spione sein. Sie erinnern an Gefahren eines Überwachungsstaates wie auch an den „Kalten Krieg“.

Lynn Chadwick, Two Watchers V (Second Version), 1967

Insgesamt geht von den Werken der Ausstellung eine beunruhigende, irritierende Wirkung aus, wobei die „Biester“ vielleicht noch am ehestens Platz neben einem gemütlichen Kamin finden dürften, was ein Foto von Chadwicks Wohnzimmer in dem ausgezeichneten Katalog verrät. LA

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